Marmor. Wert, Perzeption, Materialität

18.-19. Jahrhundert

Call for Papers

Internationaler Workshop
14.­–15. Juni 2019
Institut für Kunstgeschichte, Universität Wien
 
"Marbre, c'est une pierre opaque, compacte, prenant un beau poli, remplie pour l'ordinaire de veines & de taches de différentes couleurs." (Encyclopédie)
 
Die nüchterne Beschreibung des Marmors in der von Denis Diderot und Jean-Baptiste le Rond d’Alembert herausgegebenen Encyclopédie fasst in wenigen Worten die Qualitäten eines Materials zusammen, das die Menschen seit der Antike fasziniert hat. Die ästhetischen Eigenschaften, etwa die Transluzidität von Carraramarmor oder die feinen Kristalle von parischem Marmor, machten diesen Stein seit dem Beginn des Kunstschaffens zu einem der meistverwendeten Materialien. Darüber hinaus verlieh seine Dauerhaftigkeit dem Gestein einen Hauch von Ewigkeit, der sich auf Skulpturen und Architekturen übertragen sollte.
Das Präsentieren von Marmor – sei es nun von Skulpturen oder von dekorativen architektonischen Elementen – und das Sammelverhalten sowie die Ordnungsprinzipien von Sammlungen änderten sich im Verlaufe des 18. und 19. Jahrhunderts grundlegend. Sowohl neue ästhetische und antiquarisch-historische Maßstäbe, als auch dynamische soziale und wirtschaftliche Parameter, sowie die Entwicklung in den Naturwissenschaften trugen dazu bei, dass sich der Blick auf diesen Stein allmählich wandelte. 
Naturgelehrte begannen Alter und Herkunft der Gesteine neu zu befragen. Das aufstrebende Bürgertum legte sich in zunehmendem Maße repräsentative Skulpturensammlungen und wissenschaftlich orientierte Lehrsammlungen zu.
Der Workshop „Marmor. Wert, Perzeption, Materialität“ rückt den Marmor als kunsthistorisch scheinbar selbstverständlichen Werkstoff in den Fokus und möchte mit Blick auf die Wendezeit zwischen Vormoderne und Moderne drei Perspektiven diskutieren.

– Welche Dimensionen ideeller und monetärer Wertigkeit wurden aufgerufen?
– Welches Sammelverhalten zeigt sich und wie wurde der Marmor inszeniert und wahrgenommen?
– Inwiefern gab es eine Relation zwischen naturwissenschaftlichen Kenntnissen und der Rezeption     des Gesteins in den Bildenden Künsten?

 
Die 20-minütigen Impulsreferate sollten sich mit folgenden drei Themenschwerpunkte befassen:

Perzeption von Marmor
– Wie hat man Marmor gesammelt, inszeniert, ausgestellt und angesehen ggfs. in Abgrenzung zu Gipsabgusssammlungen?
– Wurden Steinskulpturensammlungen mit geologischen Gesteinssammlungen in Beziehung gesetzt? Wie interagierten diese beiden Sammlungstypen?
– Wie wurden diese räumlich angelegt?
– Welche Rolle kam den „Stein“-Sammlungen im größeren Kontext der Sammlungen von Pflanzen, Tieren und anderen Naturaliazu?
– Welche Rolle spielte das Materialwissen für die Wahrnehmung von Skulptur?
– Marmor und Kennerschaft?

Marmor und Materialität
– Welche Rolle spielte die Materialität für die Bildhauer, die den Stein bearbeiteten?
– Was wussten sie über ihr Material?
– Wie beeinflusste die Materialkenntnis die Auftragsvergabe?
– Was wusste man zu welchem Zeitpunkt über das Alter, die Beschaffenheit, die Zusammensetzung von Marmor?
– Wem war dieses Wissen bekannt?
– Wo und wie wurde es gemehrt und verbreitet?

Wert des Marmors
– Woher kamen die Steine? Welche Steinbrüche wurden angefragt?
– Wie gestaltete sich der Markt für Marmor?
– Wie waren die Lieferketten? Wer waren die Zwischenhändler?
– Wie wurden Preise gestaltet? Was waren die entscheidenden Wertkriterien?
– Lässt sich anhand von Preisen der gesammelten Steine und Skulpturen eine Wertigkeit abschätzen?
– Welche Marmorarten wurden besonders häufig erworben? Wofür wurden sie genutzt?
– In welchem Preisverhältnis standen Original und Imitat zueinander?
– Inwiefern galt der Erwerb des Marmors als Statuskonsum? Oder: Inwiefern mehrte er das Prestige der Eigentümer? Wie wurde die dem Marmor eigene Materialsemantik als Luxusgut von Rezipienten decodiert?

Der internationale Workshop „Marmor. Wert, Perzeption, Materialität“ findet vom 14. bis 15. Juni 2019 in Wien statt. Er wird gemeinsam veranstaltet vom Vienna Center for the History of Collecting und dem Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien; die Workshopsprachen sind Englisch und Deutsch.

Der Workshop möchte renommierte und Nachwuchswissenschaftler_innen zusammenbringen. Er richtet sich primär an Kolleg_innen und Studierende der Kunstgeschichte, aber auch an ein breiteres Publikum. Ein gemeinsamer Besuch der Gesteinssammlung des Naturhistorischen Museums Wien ist geplant.Reise- und Übernachtungskosten werden bezuschusst.
 
Schicken Sie bitte bis 28. Februar 2019folgende Unterlagen an marthe.kretzschmar@univie.ac.at und anna.sophie.rath@univie.ac.at:
– Titel des Vortrags
– Abstract (max. 400 Wörter). 
– Kurz CV mit Publikationen (max. eine eine halbe DIN A4-Seite)
 
 
 
 
Organisation:
Dr. Anna Frasca-Rath
Dr. Marthe Kretzschmar                                                                     
Institut für Kunstgeschichte                                                             
Universität Wien